Ein Wort voraus: Der folgende Text wurde im März 2020 geschrieben.
Inzwischen kann man Masken fast überall problemlos kaufen, darum hatte ich ihn eigentlich gelöscht.
Ich bin gebeten worden, die Anleitung wieder online zu stellen, was hiermit geschehen ist - in der Originalversion vom März. Schon interessant zu lesen, vor ein paar Monaten haben wir uns noch Gedanken gemacht, ob das Tragen von Masken überhaupt sinnvoll sei, heute (01.08.2020) starten in Berlin Demonstrationen, die ernsthaft behaupten, es gäbe garkeine Pandemie. Albert Einstein hatte schon Recht mit dem, was er über die menschliche Dumhheit sagte...*seufz*
Egal, hier ist jedenfalls nochmal die Anleitung zum Selbernähen.
Ich bin ja heimlich der Meinung, man sollte den Leuten nicht mit Vernunft und Argumenten kommen, sondern ihnen sagen, wie super cool, total angesagt, stylish und nerdig so eine Maske doch ist!! Genauuu...;-)


Tutorial textile Gesichtsmaske für den privaten Gebrauch

English short version - please click here!

Das aktuelle Problem ist gerade, eine medizinische Schutzmaske zu tragen, bedeutet leider, den Krankenhäusern und Arztpraxen wegzunehmen, was sie dringend brauchen. Die Dinger sind gut - aber Mangelware.

Also lassen wir die professionellen Masken dort, wo sie hingehören, und beginnen wir mit dem Selbermachen.
Diese Anleitung ist kostenlos, für den rein privaten Gebrauch bestimmt und ich mache keinerlei Gewinn damit. Das Nachnähen und die Benutzung erfolgt auf eigene Gefahr.

Ein Wort voraus. "Ich-bastele-mir-was-ohne-zu-nähen!"- das klappt vielleicht halbwegs mit einem Schlauchtuch oder ähnlichen Tüchern. Das muss man dann aber auch vom Kopf kriegen, ohne erst recht in Viren zu baden.
Ansonsten lasst die Finger von gefalteten Konstrukten mit Haargummis etc. Wenn Ihr nicht nähen könnt, nehmt diese Anleitung und tragt sie dorthin, wo jemand nähen kann. Wer jetzt für alle näht, ist dann sicher sehr dankbar dafür, wenn im Gegenzug einige normale Dinge des Alltags für sie*ihn erledigt werden…

Ein zweites Wort voraus: Es muss jedem klar sein, dass selbst genähte textile Gesichtsmaske (was für ein Wortungeheuer!) nicht vor Viren schützt!
Industrielle Masken, selbst die einfachen OP-Masken, sind mit Filterschichten ausgestattet, an die eine genähte Maske nicht annähernd heranreicht. Viren haben Nano-Größe, die lachen sich schlapp über unsere zwei Lagen Stoff und rauschen da einfach hindurch. Aber sie hüpfen eben doch nicht ganz so weit, wie das ohne Maske der Fall wäre.
Die handgenähten Masken dienen also sowohl der allgemeinen Verbesserung der Hygiene, als auch dem Schutz der Ressourcen an medizinischen Schutzmasken. Solange, bis die "richtigen" Schutzmasken für alle in ausreichender Menge zu Verfügung stehen.

Denn die textile Gesichtsmaske schützt andere Personen in einem gewissen Maß vor Infektionen, die Ihr möglicherweise in Euch tragt. Es braucht schließlich niemand - zusätzlich zu seiner möglichen Corona-Virus-Infektion - noch ein oder zwei blödige Bakterien von mir.
Euch selbst schützt sie, weil sie dafür sorgt, dass Ihr Euch unterwegs nicht versehentlich im Gesicht berührt, zumindest nicht in dem Bereich, in dem die Maske sitzt. Vorsicht also weiterhin mit den Augen. (Es ist mir vorher nie aufgefallen, wie oft ich mir normalerweise im Gesicht herumpatsche, lange Haare sind jetzt gerade ziemlicher Mist, eine Brille zu tragen, ist plötzlich ein Vorteil.)
Wenn also viele Personen eine solche textile Gesichtsmaske tragen, schützen wir uns alle gegenseitig. Nicht perfekt, aber doch mit Effekt.

Wichtig: Die derzeit geltenden Hygiene-Vorsichtsmaßnamen müssen jedoch unbedingt auch dann befolgt werden, wenn Ihr eine solche Schutzmaske tragt!

Die Vorlage für diese Anleitung stammt von der Feuerwehr Essen. Danke, Jungs und Mädels...:-)
Ich hab mir erlaubt, Eure Anleitung ein bissel zu modifizieren, das Ergebnis ist dasselbe, nur ist es nähfreundlicher und geht schneller. Auf geht's:


Material:

Es braucht einen Stoff, den man sich zweilagig vor Mund und Nase halten kann, und trotzdem noch gut atmen kann.
Er muss kochfest sein. Und außerdem sollte Eure Nähmaschine dem Material gewachsen sein. Heißt, gewebte Baumwolle (Bettlaken, Patchworkstoffe, etc.) vernäht sich auf den meisten Maschinen besser als Jersey, sprich: alte T-Shirts etc.

Ihr braucht für eine Schutzmaske folgende Menge (vorgewaschenen) Stoff:
2 Streifen: 4cm breit, 90 cm lang
1 Stück: 17 cm breit , 40 cm lang

Nächster Punkt. Die Sache braucht einen massiven Draht. Der muss waschbar sein, also reduziert sich die ganze Sache schon hier praktischerweise auf Edelstahl, außer Ihr baut vergoldete Schutzmasken. Edelstahldraht gibt es z.B. als Basteldraht im Internet. Der Sinn der Sache mit dem Draht ist - wir bauen eine Art Dampfsperre über der Nase ein. Das heißt, nicht nur die Viren können dort nicht durchhüpfen, auch Eure Brille wird nicht beschlagen, wenn Ihr diese Maske tragt.
Der Draht, den ich verarbeite, hat eine Stärke von 1mm. Etwas dünnerer Draht ginge sicher auch, dickerer ist wohl nicht mehr zu empfehlen.
Pro Maske brauchst Du 17cm Draht, wobei die Enden jeweils ca. 1cm umgebogen werden müssen.

Wenn Ihr das alles zusammen habt:

Schritt eins. Macht Euch erst mal einen Kaffee. (Alternativ: Tee, veganer Smoothie...)

Den 4 x 90 cm Streifen auf rechts zusammenfalten. Dann beide Hälften nach innen falten, so dass ein 1 cm breiter und 90 cm langer Streifen entsteht. Fixieren geht am Besten mit Bügeln. Zur Seite legen.
Auf dem Bild sind vorbereitete Bänder für mehrere Masken zu sehen, Ihr braucht natürlich pro Maske nur zwei. Feste Bänder aus Baumwolle sollen den Gummibändern vorzuziehen sein, weil sie sich besser justieren lassen und weil sie keine Allergien auslösen.


Nächster Punkt.
Den Stoff für das Mittelstück - einmal rechts auf rechts zusammenlegen (meint, wenn Dein Stoff ein Muster hat, falte ihn so, daß Du es nicht mehr siehst!) und dann sowohl oben als auch unten mit einer geraden Naht schließen. (Die untere Naht dient der Verstärkung.) Die Seiten offen lassen.


Nun alles wenden (und wenn Dein Stoff ein Muster hat, solltest Du es nun sehen!) und - sowohl an der oberen Kante, als auch an der unteren Kante eine Naht mit ca. 0,7 cm Abstand nähen.


Den Draht in den Tunnel einfädeln, dort, wovon Du denkst, dass es später "oben" sollte.
Auf dem übernächsten Bild sieht man das noch einmal besser.


Falte den Stoff - wie Plisseeröcke - dreimal. Die Faltentiefe sollte gut einen Zentimeter betragen. Die Falten sollen sich später nach unten öffnen! Mit Stecknadeln feststecken.

Auf beiden Seiten die Falten dicht an der Kante festnähen und somit auch den Draht sichern.


Nun werden die Bänder mit einer langen Naht nahe der Kante geschlossen, wobei unser vorbereitetes Mittelstück jeweils etwa mittig in den Bändern sitzen soll.
Kleiner Tipp: Den Draht dabei jeweils zur anderen Seite schieben, wenn Ihr die Nähte schließt, um zu vermeiden, dass Ihr beim Nähen den Draht trefft und Euch die Nähmaschinennadel bricht. Schlimmstenfalls kann sowas in bösem Nähmaschinen-Aua enden!
Anmerkung: die Maske auf dem folgenden Bild liegt verkehrt herum, ist mir beim Photographieren nicht aufgefallen...*sorry*


Voilá, das war's schon! Wenn Ihr möglichst schnell möglichst viele Atemschutzmasken nähen wollt, bietet es sich an, immer den gleichen Stoff zu nehmen, und immer jeweils einen Arbeitsschritt für alle geplanten Masken zusammen zu planen. Das geht entschieden schneller, als jede Maske für sich zu nähen.



Anwendung:

Die Maske ist waschbar und kann mehrfach verwendet werden, wenn einige Regeln beachtet werden:
Der Edelstahl-Draht, der in die Maske eingearbeitet ist, dient dafür, dass die Atemschutzmaske gut über der Nase anliegt. Ihr müsst diesen Draht also durch Biegen Eurer Gesichtsform anpassen.
Die Bänder können hinter dem Kopf oder um die Ohren geschlossen werden. Ggf. kürzen und die Enden durch Knoten sichern.

Die textile Gesichtsmaske darf nicht zu lange getragen werden und muss ggf. mehrmals täglich ausgetauscht werden.

Beim Abnehmen möglichst nur die Bänder berühren. Schutzmaske entweder direkt in einer Plastiktüte zwischenlagern (Tüte nach Gebrauch verknoten und entsprechend entsorgen sowie Hände waschen) oder sofort in die Wäsche geben. Nach dem Abnehmen oder Berühren der noch nicht desinfizierten Atemschutzmaske die Hände (im ersten Fall auch das Gesicht) gründlich waschen.
Die Atemschutzmaske ist waschbar bei mindestens 65°C bis hoch zu 100°C, zuzüglich Waschmittel. Wenn es schnell gehen soll, einfach in einem Topf mit kochendem Wasser desinfizieren. Nur Anschleudern und noch feucht in Form ziehen. Bügeln auf höchster Stufe, gerne auch mit Dampf.

Edit 04.04.2020. Das RKI ist gestern umgeschwenkt und empfiehlt jetzt "Mund-Nasen-Bedeckungen". Am Besten selbst lesen und Besten direkt beim RKI. Hier geht's zum Artikel.

Wenn Ihr eine solche Maske näht und verschenkt, die Gebrauchsanweisung mitreichen.

So, Ihr Lieben, frohes Nähen, und wenn Ihr Verbesserungsvorschläge oder Ergänzungen habt, lasst es mich wissen. In diesem Sinne, bleibt alle gesund…:

p.s. Niemand hat gesagt, daß die Dinger nicht auch bunt sein und Spaß machen dürfen...;-)




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(gilt in diesem Fall nicht, darf gerne geteilt werden, dann aber bitte nichts aus dem Zusammenhang reißen, dankeschön!)